SMK -15- Canes vs Rebels

The Kick-Off:

Ein Spiel der großen Gefühle haben wir da erlebt. Es begann mit Liebe und dem (anscheinend) sehr überraschendem Heiratsantrag von Tim an Lisa-Marie. Da bin sogar ich mal aufgestanden!

Es ging weiter mit Freude über eine tolle erste Halbzeit der Canes. Gefolgt (natürlich) vom Ärger über eine nicht-mehr-ganz-so-gute zweite Halbzeit. Dann kam der Frust über eine Schiedsrichterentscheidung und am Ende die Trauer über das letzte Heimspiel der Saison. Und gerade im Moment (das Beste) die Vorfreude auf die kommende Saison.

Die Canes zeigten in der ersten Halbzeit die beste Leistung seit dem Sieg gegen die Düsseldorf Panther vor über zwei Monaten. Berlin gelang zwar die Führung, aber endlich bekam man die dringend benötigten Turnover und stoppte einen vierten Versuch. Nachdem Jan Abrahamsen einen Pass in die Luft schlug, konnte Darrin Hungerford eine Interception tief in der Hälfte der Berliner fangen. Von der +31 startend versuchte man zunächst (zum zweiten Mal) einen HB Pass, der incomplete blieb, bevor Jake Purichia Wide Receiver Markell Castle in der Mitte freistehend fand und dieser seinen beeindruckenden Lauf erst in der Endzone beendete. Die ersten Punkte der Canes seit mehr als 10 Vierteln Football. Benedikt Englmann war so überrascht, dass er vor Schreck den PAT links vorbei setzte. Man lag 6-7 zurück. Bis 40 Sekunden vor der Pause, als man ein 3&Goal von der +9 hatte. An die +9 war man leider wieder unnötigerweise gekommen, man war bereits aber an der +1 gewesen, aber natürlich musste mal wieder eine Strafe her. Unten beschreibe ich etwas genauer, was dann passierte, es war aber für mich das bisher beste Special-Teams Play der Saison, dass man es schaffte hier noch ein Field Goal zu kicken. Englmann donnerte das Ei kompromisslos bei auslaufender Uhr zwischen die Stangen. 9-7 zur Pause.

Markell Castle (#1) ist wirklich in der Endzone. Kevin von Kroge (#64) ist begeistert Foto: Dieter Bethke | https://www.facebook.com/dieterbethkefoto/

Danach hatte man den Ball zu Beginn der zweiten Halbzeit und kam wieder gut voran. Man stand erneut an der +31. Dann Fehlstart, Holding, Punt. Der nächste Offensive-Drive danach? Incomplete, Sack, Incomplete. Danach: Run, Sack, Drop. Als man dann 9-21 hinten lag gab es noch einmal kurz Hoffnung, als man an die +43 gekommen war und ein 4&2 ausspielte. Ich bin eigentlich sehr ruhig, mit einer Ausnahme: Wenn Technik nicht funktioniert, kann ich ausflippen. Und zwar so richtig. Sehr böse! Aber das ist eine andere Geschichte. Diesmal funktionierte alle Technik und ich bin trotzdem (für meine Verhältnisse) sehr sauer geworden. Als beim Snap zwei Rebels in der neutralen Zonen waren, Jake Purichia den Ball einfach in die generelle Richtung von jemanden warf und Rebels DB Paul Morant, den Ball eher lustlos auf den Boden schlug (bei einem vierten Versuch auch besser als eine Interception, die wohl noch Yards gekostet hätte), war jedem klar, dass es Offside und ein First Down Kiel geben würde. Nur nicht dem Down-Judge (ich glaube, in der GFL noch Headlinesman genannt) und dem Line-Judge. Ich weiß, ich bin da manchmal etwas hart zu den Zebras, aber es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie man Sachen wie “Illegal Hands to the face”in einem Gemenge aus 30m Entfernung sieht und bei einem ruhenden Ball so etwas nicht. Ich mache sowas ungern, aber ich habe mir die Szene mittlerweile 10x angesehen und kann wirklich keinen Grund finden, wie man es übersehen kann. Ihr findet den Stream hier, die strittige Szene ist bei 2:41:15. Erstaunlich wie ruhig Didi sowas kommentieren kann. Auch gut zu wissen, dass mein Klemmbrettgepolter und Frustschrei nicht im Stream zu hören ist. Wie immer muss man aber natürlich auch sagen, dass so ein Spielzug nicht das Spiel entscheidet. Das Spiel verloren hat man durch ganz andere Sachen: Kein guter Schutz für den QB, Drops, schlechte Defense in der zweiten Hälfte und vor allem: Flaggen (überall Flaggen!). Wäre Berlin in dieser Hinsicht nicht sehr viel besser gewesen, hätte das Ergebnis auch noch böser aussehen können.

Zuviel im Einsatz: Referee Karsten Pruin Foto: Dieter Bethke | https://www.facebook.com/dieterbethkefoto/

Trotzdem gehe ich mit einem deutlich besserem Gefühl aus diesem Spiel, auch wenn natürlich die Talsohle wirklich tief war. Man hat Punkte gemacht, die Defense eine tolle Halbzeit gespielt, wieder haben eine Menge junger Spieler Einsatzzeit bekommen, die in den kommenden Jahren (hoffentlich) das Rückgrat eines Teams werden, welches wieder um einen Playoff-Platz kämpfen wird. Vermutlich aber noch nicht nächstes Jahr. Sollte man aber ein Team zusammenhalten können, wird man viel Spaß an den Jungs haben. Und mehr Punkte sehen. Und vor allem: Weniger Flaggen!

Booming Punts:

Kommen wir zum Special Teams Highlight der Saison: Ein Hurry-Up-Field-Goal mit auslaufender Uhr zum Ende der ersten Halbzeit. Das ultimative Field-Goal-Play. Das Szenario: Kiel hat den Ball an der +9 mit einem 3&Goal. 25 Sekunden sind noch auf der Uhr, keine Timeouts mehr vorhanden. Der Playcall ist klar: Pass in die Endzone. Entweder man hat einen Touchdown oder einen unvollständigen Pass, der die Gameclock anhält. Eine Sache die in dieser Situation nicht passieren darf: Irgendwas, was die Uhr laufen lässt. Ein Receiver muss in die Endzone und darf nicht an der 1 oder 2 gestoppt werden. Und ein Quarterback darf eines nicht: Einen Sack kassieren. Leider passierte dies aber, “zum Glück” dauerte das Play nur 5-6 Sekunden. Mit etwa 19 Sekunden musste man also das Field-Goal-Team auf das Feld schicken. In der NFL schaffen es unglaublich trainierte, von 20 Assistant Coaches betreute, Athleten das Ganze in etwa 15 Sekunden. Wenn alles perfekt klappt. Bei den Canes brauchte man keine Sekunde länger. Das ist eine ganz starke Leistung der Coaches, die alle Spieler bereit an der Seitenlinie hatten und natürlich auch der Spieler selber, die alle aufs und vom Feld stürmten (je nach Rolle). Dazu noch ein perfekter Snap und Hold, und Benedikt Englmann, der mal wieder eine neue Kicking-Technik ausprobierte (Old-School straight approach) und aus 29 Yards sein drittes Field-Goal der Saison erzielte. Er ist jetzt 3/7 und alle Kicks hat er gegen Berlin gemacht.

So perfekt das Play lief, es gab dann doch einen kleinen Fehler:

10 reichen! Bild: Screenshot von CanesTV

Im SMK -14- hatte ich ja einige Vorhersagen, wie das neue Playcalling ausehen wird, getroffen. Wenn man das Ganze mal eine Woche nach hinten schiebt, lag ich doch eigentlich ganz richtig. Ich klopf mir mal selbst auf die Schulter!

Quick Kicks:

  • #80 war zurück. Yeah!
  • Louis Müller wäre in ein paar Wochen wieder Einsatzbereit. Seine Verletzung war für mich so ein Wendepunkt in der Saison.
  • Spiel Eins ohne Oliver Beeck.
  • Sven war auch wieder da. Nochmal Yeah!
  • Jake Purichia hatte Besuch aus Indiana. Seine Tante und Onkel waren morgens in Kiel angekommen.
  • Ich bin mir sicher, Fritjof kriegt nächstes Jahr ein neues Mikro. Oder eine neue Funkstrecke.
  • Gutes Spiel von allen drei Snapern: Kevin von Kroge hatte (an den Snaps gemessen) sein bestes Spiel, Daniel Reinhardt hat von Olli das FG-Snapen übernommen und Bob Baumann hatte nur Einen etwas zu hohen Punt-Snap. Starke Arbeit!
  • Hot-Dog-Count: 2
  • Danke an Dieter Bethke für die Bilder.
  • Es war heiß! Die Warm-Ups wurden daher ohne Pads gemacht.
  • Gekleckert im Stadion: 0
  • Verdiente Ehrung für Thomas und Lippi vor dem Spiel. Trotz der Mikrofonprobleme.
  • Kicking Warm-Up lief bei 87 super. Nur ein Kick daneben. Hendrik Wolk probierte auch zwei Kicks. 1/2.
  • Gekleckert zu Hause: 2
  • Den Spielbericht der Canes gibt es hier, den der KN hier.
  • Dr Pepper (Import) während des Schreibens: 2
Stille Helden endlich geehrt! Foto: Dieter Bethke | https://www.facebook.com/dieterbethkefoto/

In their own words:

“It felt great. We had a great play from the coaches and it felt great to get back on the board.”

QB Jake Purichia über den TD-Pass

“Erste Hälfte: Bombe. Drittes Quarter: Auch noch gut.”

Bob Baumann über die D

“Es war wichtig die Halbzeit mit Punkten zu beenden, auch wenn es nur ein Field-Goal war…Und dann kriegen wir den Ball zu Beginn der zweiten Halbzeit, und dann waren es wieder Strafen, die uns zurückwerfen. Das war heute wirklich extrem. Da gibt es nichts schön zureden.”

HC Timo Zorn

“Das kam nur, weil [Lucas] Biere und ich wie bekloppt aufs Feld gesprintet sind.”

Leonhard Najda, über das Field-Goal.

“Wenn es nach mir geht, dann auf jeden Fall.”

HC Timo Zorn, auf die Frage ob er 2020 weitermacht.

Er hat den cooleren Bart, die coolere Sonnenbrille und mehr Haare. Aber ich hab die coolere Mütze! Bild © Dieter Bethke

Special Teams Only:

Sports Illustrated und ich haben zumindest eine Sache gemeinsam: Wir sind von der Kickersuche der Bears fasziniert. Natürlich wird da ein mieser Kick von Eddy Pineiro ausgiebig unter die Lupe genommen.

Bears Kicker und kein Ende. Gerade entlassen, hat Elliot Fry Hoffnung, es doch in die NFL zu schaffen. Ich drück die Daumen!**

In der letzten Woche der Preseason dürfen meist Spieler ran, deren Platz auf dem Roster nicht sicher ist. Auch bei den Kickern. Das machte sich dann bemerkbar: Gerade mal 77,4% der Field Goals waren drin und nur 90,4% der PATs. Taylor Bartolet von den Jets schoss gleich dreimal daneben. Immerhin: Seine zwei erfolgreichen Kicks waren genug für ein 6-0 gegen die Eagles.

Graham Gano von den Panthers ist verletzt, sein (eigentlich nur als Camp-Leg gedachter) Ersatz wird Joey Slye sein. Bei den Falcons hat Giorgio Tavecchio eine miese Preseason gehabt. Wen holen die Falcons für ein Workout? Richtig, Matt Bryant. Den hatte man entlassen um gegenüber Tavecchio etwa 1.5 Millionen Dollar zu sparen. Klappte wohl nicht so ganz.**

Wieder mal zwei Links zu “The Athletic”…Etwas Werbung: Man kann im Moment unter diesem Link 40% sparen. Wer sich für US-Sport (und insbesondere Football, egal ob College oder NFL) interessiert sollte sich ein Abo holen. Wirklich das Beste was es zur Zeit zum lesen und hören (haben auch eine Menge Podcasts) gibt. Mit dem Link bekomme ich übrigens auch was. Also, zuschlagen!

Punted to a Podcast:

Vor kurzem kam der Podcast-Publisher “Wondery” auf die Idee, einen sehr erfolgreichen Podcast von ihnen auf Deutsch zu veröffentlichen. Übermedien sagt: Kein gute Idee.**

Daher bleiben wir doch beim Original, denn “Dr. Death” ist ein sehr gelungener True-Crime Podcast über einen Neurochirugen in Dallas, der keine Ahnung hat, was er macht. Klingt nach einem Hochstapler ala Gert Postel, so einfach ist es aber nicht. Der Mann hat wirklich studiert. Laura Beil hat den Fall in einem tollen Podcast verarbeitet, der nur einen Fehler hat: Jeder True-Crime Podcast klingt seither genau wie dieser. Mir egal, ich mag es.

Perfect Hold:

Am Samstag, um 22 Uhr unserer Zeit, mussten NFL Teams ihre Roster von derzeit 90 Spielern auf 53 verkleinern. Wie es wirklich ist “gecutted” zu werden, hat ESPN in einem sehr “schönem” Bericht zusammengetragen.

Mehr Football auf Pro7Maxx berichtet DWDL. Die Verträge mit der NFL sind verlängert worden und zusätzlich gibt es College Football. Kann für die Verbreitung des Sports nur gut sein.

Kicked somewhere else:

Goop kennt man in Deutschland eher weniger, ist in den USA aber sehr populär. Der Shop von Gwyneth Paltrow verkauft überteuerte Wellness-Produkte an (meist) wohlhabende Frauen, die ohnehin schon alles haben. Amanda Mull hat die Spesenkasse des Atlantic klingeln lassen und über $1200 ausgegeben, sogar ein Vibrator wurde auf Firmenkosten gekauft (und getestet). Ihren lesenswerten Bericht über das Shopping-Imperium und dessen Produkte findet ihr hier.

Damit jeder in den USA eine Waffe tragen kann, gibt es die NRA. Oder so in etwa. Die Waffenlobby hat unglaublich viele Mitglieder und ist damit eine politisch sehr mächtige Institution, die President Trump z.B. gerne bei Laune hält. Intern sieht es aber nicht so ganz rosig bei dem Verein von (hauptsächlich) alten, weißen Männern aus. Eine Führungskraft entging mit einer außergerichtlichen Einigung (bezahlt mit NRA Geldern) einer Anklage wegen Belästigung. Problem: Nächste Beschuldigung stand schon vor der Tür. Konsequenzen: Keine.

The Science of Kicking (and Punting and everything else):

Bei -13°C lag bisher der Wärmerekord für einen Supraleiter. Das sind Materialien, die bei der Unterschreitung einer gewissen Temperatur (Sprungtemperatur) ihren elektrischen Widerstand verlieren. Sowas wär natürlich toll für Leitungen usw. Leider kann man mit -13°C noch nicht viel machen. Wissenschaftler haben einen neuen Supraleiter vorgeschlagen, der bis zu (+) 200°C gehen könnte. Bisher nur ein Vorschlag, aber das wär wirklich ein Quantensprung.

Noch vor einigen Jahren war die Entdeckung eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems (Exoplanet) eine Sensation. Mittlerweile hat man über 4000 davon entdeckt. Sogar Monde um diese Planeten (Exomonde) hat man schon gefunden. Und jetzt ist man noch einen Schritt weiter: Auf einem Exomond konnte man Gase nachweisen, die für die Existenz von Vulkanen sprechen.

This Kick is presented by…

Der Sommer hat in den letzten Tagen ja nochmal richtig zugeschlagen. Daher heute mal ein Dank an einen meiner Retter an den heißen Tagen (und auch sonst im Jahr…#teamschorle).*

Long-Snap Good-Bye:

“Ich bin der der Sturm liebt”

*Amazon-Partner-Link

**Artikel evtl. hinter Paywall

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.